Optische Täuschungen
Eine Optische Täuschung ist eine Wahrnehmungstäuschung des Gesichtssinns. Optische Täuschungen können nahezu alle Aspekte des Sehens betreffen. Es gibt Tiefenillusionen, Farbillusionen, geometrische Illusionen, Bewegungsillusionen und einige mehr. In all diesen Fällen scheint das Sehsystem falsche Annahmen über die Natur des Sehreizes zu treffen, wie sich unter Zuhilfenahme weiterer Sinne oder durch Entfernen der auslösenden Faktoren zeigen lässt.
Optische Täuschungen werden in der Wahrnehmungspsychologie untersucht, da aus ihnen Rückschlüsse über die Verarbeitung von Sinnesreizen im Gehirn gewonnen werden können. Optische Täuschungen beruhen auf der Tatsache, dass die Wahrnehmung subjektiv ist und vom Gehirn beeinflusst wird.
Jerry-Andrus-Effekt Starten Sie die Animation oben. Schauen Sie nun 30 Sekunden lang auf das Zentrum der Spirale und danach auf ein unbewegtes Objekt, z.B. Ihre Hand. Ihre Hand scheint sich plötzlich zu bewegen. Wir haben es hier mit sogenannten Nachbildern von Bewegungen zu tun, man spricht auch vom Wasserfall-Effekt. Wenn wir längere Zeit einen Wasserfall oder eine andere stetige Bewegung betrachten und nachher auf ruhende Bilder schauen, scheinen sich diese für kurze Zeit in die Gegenrichtung zu bewegen.
Hermann´sches Gitter Ist es nicht erstaunlich? An den Kreuzungspunkten der grauen Quadrate kann man im Augenwinkel schwarze, flimmernde Punkte erkennen. Wenn man darüber hinaus versucht, einen der Punkte zu fixieren, verschwindet dieser. Die Informationen der Sehzellen werden zur Weiterleitung an das Gehirn in Gruppen zusammengefasst. Man nennt sie rezeptive Felder. Wenn Licht auf ein Feld fällt, dann kann die von dem Vorgang betroffene Nervenfaser in ihrer Aktivität verstärkt, aber auch gehemmt werden. Entscheidend ist, ob der Lichtreiz im Zentrum oder im Außenbereich des Feldes einwirkt .Wird das gesamte Feld belichtet, kann auch Hemmung stattfinden, d.h.der Seheindruck ist weniger hell. An den Kreuzungspunkten des Gitters fällt mehr Licht auf die Randbereiche der rezeptiven Felder. Dadurch kommt es zu einer starken Hemmung in der Lichtempfindung. So erscheinen die Kreuzungen dunkler. Das ständige Flimmern entsteht übrigens durch die unwillkürlichen rhythmischen Bewegungen des Augapfels.
Der Caféwand-Effekt Dieses Phänomen wurde zuerst an der Wand eines Cafés in Bristol entdeckt, die mit schwarzen und weißen Fliesen verkleidet war. Wenn Sie die Caféwand anblicken, sehen Sie die 'Mörtellinien'. Diese lassen den Eindruck entstehen, dass die Fliesen keilförmig sind. In Wirklichkeit sind sie aber parallel und gleich groß. Wie lässt sich das Phänomen erklären? Das Auflösungsvermögen unserer Augen reicht nicht aus, um die Trennlinie zwischen einer hellen und einer dunklen Fliese als einzelnes Objekt wahrzunehmen. Unser Gehirn interpretiert den Raum, der nicht eindeutig einer hellen bzw. dunklen Fliese zugeordnet werden kann und rechnet ihn der benachbarten Fliese zu, die am nächsten liegt. So entsteht der Eindruck der keilförmigen Fliesen.
Ouchi Illusion Bewegen Sie Ihre Augen über dieses Bild. Scheint sich der mittlere Teil nicht vom Rest abzuheben? Wie ist es mit der Tiefenwirkung? Bewegt sich der Kreis etwa sogar? Die Ouchi-Illusion ist noch nicht im Detail erforscht. Die scheinbare Bewegung und die Tiefenwirkung entstehen durch unterschiedliche Interpretationen des Gesehenen durch unser Gehirn. Ein dreidimensio-naler Effekt kann entstehen, wenn die beiden Strukturen unterschiedlich weit vorne zu liegen scheinen. Das Gehirn versteht die Kreise dann als Öffnungen.
Fraser-Spirale Die hier abgebildete Spirale ist in Wirklichkeit keine Spirale. Es handelt sich vielmehr um geschickt angeordnete Bogenstücke, die an den Enden durch Dreiecke verstärkt sind. Man hat jedoch den Eindruck, dass es sich um Spiralen mit gemeinsamen Wirbelpunkt handelt. Wie entsteht dieser Eindruck? Schneiden sich Linien schräg, wird das Richtungsempfinden getäuscht. Schräg schraffierte Kreise sehen aus wie Spiralen. Der Eindruck einer Spirale wird durch die abnehmenden Abstände der Kreise zum Zentrum hin noch verstärkt. Diese Täuschung wurde 1905 erstmals von J.A. Fraser veröffentlicht.
Escher-Treppe Maurits Cornelis Escher (1898 - 1972) versuchte, geometrisch-optische Täuschungen in seine Bilder aufzunehmen. Eschers Zeichnung “Treppauf, Treppab" zeigt Mönche, die eine endlose Treppe auf- und abgehen. Mönche wählte er deshalb, weil der holländische Ausdruck für unnütze Arbeit "Mönchsarbeit" heißt. Eschers Trick besteht darin, dass er Ansichten von rechts und von links (bzw. von oben und von unten) vermischt.
